Bildung!

Sonntag, 6. April 2008

Handgriff (I)

Dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.

(George Orwell, "1984")

Warum bringe ich dieses Zitat? Mir ist heute wieder ein Artikel der Tagesschau begegnet, über den ich nur den Kopf schütteln kann, stand doch an einer Stelle folgender Satz:

(...) Bemerkenswert ist, dass es mit IKB, Sachsen LB und West LB vor allem öffentlich-rechtliche Institute traf. (...)

Die IKB ist, wie nicht nur ich in einem anderen Beitrag (mehr...), so narzisstisch bin ich dann doch nicht, bereits feststellte, keine öffentlich-rechtliche Bank. Da ich glaube, dass das auch der dümmste Artikelschreiber bei irgendeinem kleinen Nachrichtendienst kapieren kann, glaube ich auch, dass es sich hier um einen bewussten Akt der Manipulation handeln muss. Die IKB soll so lange zur öffentlich-rechtlichen Bank erklärt werden, bis das Zitat von Orwell zutrifft. Und die IKB quasi "öffentlich-rechtlich gemacht" wird.

Und ich werde diesen Vorgang so häufig in Beiträgen erwähnen, dass jeder die Zeitlinie eiskalt nachverfolgen kann. So penetrant werde ich sein.

Zur Erläuterung der Überschrift: "Handgriff" ist die deutsche Übersetzung des lateinischen Ausdrucks "Manipulation".

Dienstag, 29. Januar 2008

Bankrotterklärung

Nein, dies wird kein Beitrag zu Roland Koch (obwohl mir bei den Ausdrücken "Bankrotterklärung" und "Roland Koch" auch eine ganze Menge einfallen würde); dieser Beitrag ist der neuesten bildungspolitischen Idee gewidmet.

Erst hatten wir das Patriarchat, dann das Matriarchat und am Ende das Rektorat.

Ungefähr auf dieses Kalauerniveau muss man sich begeben, wenn man die Idee von McDonald's, ein Abitur dank Fastfood zu bekommen, bewerten will (mehr...). Zum Glück spielt sich dieses bizarre Bildungsstück, zwischen Pommes und Hamburgern einen Mathematik-Leistungskurs zu platzieren, noch in Großbritannien ab, womit dann der von Ökonomen oder anderen Propheten der längst überfällige wirtschaftliche Abschwung eingeläutet wird. Zum Glück deshalb, weil eine solche Diskussion oder Überlegung beim desolaten Zustand deutscher, besonders hessischer Schulen sehr hilfreich wäre, nämlich gar nicht; aber wer weiß, vielleicht wäre das die nächste Schulreform der CDU-Landesregierung geworden. Der Ansatz ist leider meiner Meinung schon von Beginn an völlig falsch, denn es ist kaum anzunehmen, dass das privatwirtschaftliche und in diesem Falle auf McDonalds zugeschnittene Vorgehen dem entsprechen kann, was man landläufig unter einer Hochschulreife (Abitur) versteht. Ich will damit generell nicht Privatschulen die Kompetenz absprechen (es gibt genügend Privatschulen auf einem guten und sehr hohen Niveau), eine McDonaldisierung hingegen(mehr...), wie wir sie in anderen Bereichen schon kennen (Radio, Fernsehen, und, ja Gastronomie), das ist fürwahr die Bankrotterklärung einer Bildungspolitik. Es wird am Ende nur noch das gelehrt und gelernt, was der Leitung einer Fast-Food-Filiale nützt. Es ist die völlige Komprimierung von Wissen auf ein bestimmtes niedriges Niveau, mit dem man außerhalb der kleingastronomischen Filialwelt nicht viel wird anfangen können (was aber aus Sicht der "Sponsoren" ja gar nicht erwünscht ist); das Beste daran: es ist sogar noch staatlich unterstützt.

Das sind bedenkliche Schritte in Richtung einer Welt, wie sie Aldous Huxley 1932 in seinem furchterregenden Roman "Schöne neue Welt" (mehr...) skizzierte. Das kritische Denken und Hinterfragen, so wichtig für eine Demokratie (!), verkommt zu einer Schimäre, es wird ausgelöscht, nicht weiter verfolgt, abgelehnt, es ist schlicht: unerwünscht.

"Abitur - zum hier essen oder mitnehmen?" Möchte man fast fragen...

- cut -

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Samstag, 1. Dezember 2007

Früh übt sich

"Es träumt der alte Polizeirat seit seiner Heirat mit einem Topmodell
von Schuldenbergen
leeren Säcken
an allen Ecken brennt sein Hut
schon hell.
Da nähert sich ein Tätowierter
auf einmal spürt er ein paar
Tausender
von hinten in die Hose gleiten
nach allen Seiten huscht sein Blick
umher.
Es spricht der Mann in seinem Rücken: Ab heute drücken wir ein Auge zu

und wenn wir uns arrangieren
kann ich ihnen garantieren -
es gibt noch viel mehr davon!"

(Rainhard Fendrich, Tango Korrupti)

Und damit das Korruptionsverhalten schon von Kindesbeinen an indoktriniert geübt wird, gibt es mittlerweile die PISA-Tests (mehr...).

"Tango Korrupti..."

- cut -

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Donnerstag, 1. November 2007

Unglaublich

Es gibt ausnahmsweise ausgerechnet aus Hessen mal gute Nachrichten1:

Das Verwaltungsgericht Gießen hat entschieden, dass ein Student der Humanmedizin vorerst keine Studiengebühren zahlen muss. Die Richter äußerten ernste Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes (mehr...).

Liebe Betreiber und Gebührenbefürworter von Unicheck.de (mehr über Unicheck...), heut Abend habt ihr ausnahmsweise mal mein Mitleid.

Aber nur ein winziges bisschen... Ich muss sparen...

- cut -

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1 - Nein, Roland Koch (im Jargon "RoKo" genannt) amtiert immer noch, so gut ist die Nachricht also doch nicht.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Blogger trifft Autor...

...und der Blogger (der das Wort "bloggen" geschickt vermeidet) ist unzufrieden damit (mehr...). Dabei finde ich persönlich die Unterhaltung sehr interessant, auch wenn ich nicht an die "Internetblase" glaube, aber sei's drum. Und ich bin natürlich nicht ganz unvoreingenommen, da es sich beim Autor um Harald Martenstein handelt. Aber dennoch: diese 12 Minuten lohnen sich.

Spiegel Online - mindestens zwei Jahre zu spät

Tja, da schlägt man am Sonntag morgen noch müden Auges die Webseite von Spiegel Online (SPON) auf und wird mit einem Artikel über das Aussterben kleinerer Buchläden bedingt durch die großen Ketten überrascht (mehr...).

Nanü, was ist denn hier passiert? Hat Spiegel Online das auch schon entdeckt? Stand Hasnain Kazim, der Verfasser des Artikels, etwa vor dem Buchladen seines Vertrauens und musste entsetzt feststellen, dass dieser sein Geschäft dichtgemacht hatte? Oder war man beim Spiegel und Spiegel Online in den letzten Jahren einfach nur zu sehr berauscht von möglichen und unmöglichen Reformvorschlägen in der politischen Debatte (mehr z.B. hier...) und hat versäumt festzustellen, dass in Deutschland noch andere Dinge geschehen?

Das Thema ist aber nicht neu, und deshalb kann ich hierzu ausnahmsweise auch ganz ordentlich mit den Scherenhänden klappern (hehe...). Habe ich selbst doch den Niedergang einer traditionsreichen Buchhandlung in Gießen miterleben können - ein Vorgang, über den übrigens vor etwas über zwei Jahren sogar die FAZ schon berichtete (mehr...). Insofern kann ich traditionsreich schwäbisch über den SPON-Artikel nur sagen: "Guten Morgen Frau Laugenweckle..."

Aber ich will mal nicht so sein: es gibt noch ein anderes Sprichwort, das heißt "Besser spät als nie" und so sollte es positiv stimmen, dass man beim Spiegel aufgewacht ist. Was an sich schon gut ist.

- cut -

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Freitag, 5. Oktober 2007

Erhellendes

Im Augenblick - so ist mein Eindruck - scheinen wir von statistischen Armleuchtern umgeben zu sein1. Zuerst erfährt man im INSM-Watchblog, wie die INSM statistischen Unfug betreibt, um diesen Unfug wiederum als "Erfolg ihrer Reformen" zu (dis)qualifizieren. Dann enttäuscht mich die "Frankfurter Rundschau" in der Print- und der Onlineausgabe.

Konkret geht es um den Streik bei der Bahn und in diesem Zusammenhang um eine durch Infratest dimap durchgeführte Umfrage beim Urnenpöbel Wahlvolk. Wir erfahren aus dieser Umfrage das Folgende für den Juli 2007:
  • 71% der Befragten haben Verständnis für den Bahnstreik.
  • 55% der Befragten zeigen hingegen kein Verständnis für den Bahnstreik.
Aha.

Entweder haben wir es bei den Erstellern der Umfrage mit elitären Knalltüten zu tun, die erwartungsgemäß Schwierigkeiten mit den Grundrechenarten aufweisen - oder bei der Umfrage war es möglich, beide Optionen auszuwählen, was 26% der Befragten dann wohl getan haben. Was aber nicht unbedingt für das intellektuelle Niveau des Umfrageerstellers spricht, ganz im Gegenteil.

Da ist auch eine Fehlertoleranz von 1,4 bis 3,1 Prozent nicht wirklich hilfreich.

- cut -

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1 - Jaja, ich weiß, es ist eigentlich immer so...

Donnerstag, 12. Juli 2007

Grundgesetz - solange es das noch gibt [Edit]

Nicht nur Sven Scholz und Karan regen an, dass man sich das (gratis erhältliche) Grundgesetz besorgen solle, solange es das noch gibt. Die Initiative nimmt in der Blogosphäre erfreulicherweise größere Ausmaße an.

Das kann ich nur unterstützen, mal ganz unabhängig von den seltsamen Überlegungen des Wolfgang S.*.

Weitere gleichlautende Initiativen und Aufrufe gibt es bei

Dem einen C
Karan
Perspektive 2010
Somlus Welt
Ulysses

Die Bestellung kann übrigens hier erfolgen, das auch als dezenter Hinweis für den Bundesinnenminister:

Deutscher Bundestag - Grundgesetz

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* Wie ich in einem anderen Beitrag angedeutet habe, sehe ich aber gute Chancen dafür, dass es beim Grundgesetz bleibt.

Weiterer Nachtrag: Mit fremden Federn schmücken, so wie das bei den Jusos im Bezirk Hessen-Nord geschieht, das sollte nun nicht wirklich sein.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Pflegeleichter...

Der hessische Wissenschaftsminister Udo Corts wird sich 2008 von seinen Ämtern zurückziehen. Eine Entscheidung, zu der ich ihm ausdrücklich gratuliere - schließlich hat er politisch schon genug angerichtet.

Corts will in die Wirtschaft wechseln, wo er es aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit willfährigeren Arbeitnehmern zu tun bekommen wird. Die Studenten, denen er die Studiengebühren in Basta-Manier gebracht hat, waren und sind auch so undankbar.

- cut -

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Donnerstag, 12. April 2007

"Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen..."

...diese und ähnliche Gassenhauer waren und sind ein beliebtes Motto für all diejenigen, welche "Reformen" gefordert haben oder fordern. Und das natürlich für andere, denn "Reform" heißt in Deutschland, dass man jemand anderen zum eigenen Vorteil benachteiligt *hüstel*.

Nichts anderes führt indes auch die in der Karnevalshochburg Köln (Zufall?) ansässige Gehirnwaschagentur "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", kurz: INSM, im Schilde. Deren Vorstellungen eines Rucks durch Deutschland muten teilweise abenteuerlich, in jedem Falle aber anachronistisch an, Ziel ist es aber, die Bevölkerung mit absurdem Blödsinn auf die aus ihrer Sicht notwendigen "Reformen" einzuschwören. Da wird dann auch schon mal ein Schmetterling bemüht, der in Indonesien einen Tsunami auslösen kann (siehe die - tja, wie kann man sie bezeichnen? Comedy-Veranstaltung? - "Du bist Deutschland *hüstel*). Die im modernen Gewand daherkommenden spießigen Vorstellungen der INSM machen aber auch klar: Im 21. Jahrhundert ist man dort noch nicht angekommen.

Neueste Masche von Gehirnwäsche dieses Karnevalsvereins, pardon, dieser Initiative: die Studiengebühren, wofür man sich die mit feschem (naja...) Logo verzierte Webseite www.unicheck.de gegönnt hat. Mal ne Anmerkung für die INSM: bei Eurem Budget könnte einem schon was Besseres einfallen, auf jeden Fall sollte bei einem Millionenbudget ein funktionierendes Skript enthalten sein...

Aber zum eigentlichen Punkt: Die INSM hat eine Studie bei Emnid in Auftrag gegeben, die unerwünschte Ergebnisse gebracht hat - nämlich weiterhin eine Nicht-Akzeptanz der Studiengebühren. Dabei hat man sich so bemüht und sogar Informationen zur besten Verschuldung per Kredit (von den Partner der INSM, die natürlich ein wirtschaftliches Interesse an der frühestmöglichen Verschuldung von Studenten haben) beigestellt*.

Undankbares Volk... vielleicht sollte sich die INSM einfach ein neues zulegen? Oder die Gehirnwäsche verbessern?

*AufDenNächstenGlorreichenVersuchGespanntsei*

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* Mal ein PS an dieser Stelle: es sagt viel über das Denken der INSM aus, wenn man ernsthaft glauben sollte, Studiengebühren würden ein Studium verbessern.

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